Spracherkennung könnte Nutzung mobilisieren
Düsseldorf – Die in den vergangenen fünf Jahren aus dem Boden geschossenen Web 2.0-Anwendungen und Social Webs haben die Online-Welt umgekrempelt: So hat das erst 2005 gegründete Video-Portal YouTube in den USA bei Internetnutzung mittlerweile einen von 73 Prozent. Täglich werden etwa 65.000 Videos hochgeladen und rnd100 Millionen Videoclips abgerufen – das entspricht 10 Prozent des gesamten US-amerikanischen Internetverkehrs. MySpace hat weltweit 180 Millionen Nutzer. StudieVZ wird in Deutschland von seinen acht Millionen Mitgliedern über 10 Milliarden mal im Monat aufgerufen. In der Geschäftswelt bricht XING mit 2,65 Millionen Nutzern alle Rekorde. Da ist es kein Wunder, dass die Mobilfunkanbieter größtes Interesse daran haben, die Attraktivität ihrer Mobile Services durch die Bereitstellung von mobilen Web 2.0-Angeboten und Social Webs zu steigern und von der hohen Nutzungsintensität dieser Angebote direkt über Datenverkehr und indirekt über das Marketing zu profitieren.
Zahlreiche Studien wie der „Praxisleitfaden Mobile Marketing“ http://www.absatzwirtschaft.de/mobile-marketing belegen die Richtigkeit der Strategie, auf die Bereitstellung eines mobilen Zugangs zu diesen Diensten zu setzen: 62 Prozent der Kunden mit mobilem Internetzugang nutzen Mobile Communities und Social Webs, um Bewertungen und Empfehlungen von Restaurants, Shoppingmöglichkeiten und Freizeitangeboten durch andere Mitglieder einzusehen oder selbst zu verfassen. Rund ein Drittel favorisieren kostenlose Chats und den Informationsaustausch mit Gleichgesinnten. Und das Beste ist: Die Konsumenten sind auch bereit, fu¨r die mobile Nutzung ihrer Communities zu bezahlen.
„Die Mobilfunkprovider sind daher längst in das Geschäft mit den Mobile Communities eingestiegen, um daraus Profit Center zu machen und sie mit Mobile Marketing zu refinanzieren. Doch es ist nicht leicht, die Attraktivität der Social Webs zu reproduzieren: Wer nach einem Restaurantbesuch seine Kritik mit dem mobilen Endgerät in einen Blog oder Forum eintragen will, wird durch die umständliche Eingabe auf der 12er-Tastatur behindert. Auch die Beschreibung des Party-Videos auf YouTube mit dem Handy ist mehr als umständlich. Es ist also nur folgerichtig, dass Anbieter wie Vodafone UK vor einiger Zeit begonnen haben, die Sprachtechnologie zu nutzen, um ihr Angebot mobiler Communities noch attraktiver zu machen“, so Sebastian Paulke, Redakteur des Fachmagazins Voice Community http://www.voice-community.de, im Gespräch mit NeueNachricht. Sie würden den Kunden ermöglichen, durch den Anruf einer bestimmten Nummer ihre Texte „aufzusprechen“ – eine Software wandelt das gesprochene Wort in Text um. Dieser Service ist kostenfrei.
„Bei Vodafone wird der von dem Spezialisten Spinvox http://www.spinvox.com angebotene Blogging-Dienst über einen Zusatzservice refinanziert. Audionachrichten werden transkribiert und als SMS oder E-Mail versendet. Man muss nicht ständig die Mailbox abhören, sondern kann mit einem Blick die eingehende Nachricht lesen. Und das funktioniert gut: So sprechen etwa in der Bay Area rund um San Francisco bereits 10 Prozent der Nutzer des lokal bedeutendsten Blogs ihre Texte an Ort und Stelle per Telefon auf, anstatt sie mit dem Computer zu bearbeiten“, weiß Paulke. Vodafone UK spricht von weit über 100.000 Kunden, die bei ihren Aktivitäten in Mobile Communities die Spracheingabe nutzen.
Gleichzeitig arbeiten die Provider und Diensteanbieter daran, Mobile Marketing in das Geschäftsmodell zu integrieren: Wenn jemand seinem Freund ein Treffen zum Kaffeetrinken bei Starbucks vorschlägt, gibt es einen Coupon für einen kostenlosen Brownie. Doch die Sprachtechnologie bringt auch neue Perspektiven für das so genannte „Semantische Web“: Programme, die im Hintergrund die Beschreibungen der YouTube-Clips analysieren, liefern Daten zur Indizierung der Inhalte, die in den Metatags hinterlegt werden. So entsteht eine „User Generated Semantik“, die die Auffindbarkeit von Informationen im Internet beschleunigt. „Das Web 2.0 und die Bloggosphäre werden durch Sprachtechnologie noch authentischer und aktueller“, resümiert der Düsseldorfer Internetexperte Paulke.