Archiv für März 2008

Cebit-Expertenrunde: Mobile Business noch kein Wachstumsmarkt – Provider sollten Netze und Dienste öffnen – Mobilfunker blockieren den Markt

März 13, 2008

Die erfolgsverwöhnte Telekommunikationsbranche kämpft mit stagnierenden Umsätzen. . Kein Wunder, so Bitkom Präsident August-Wilhelm Scheer: Wer seine Produkte verschenke, darf sich nicht wundern, wenn die Margen ausbleiben. Diese Aussage relativierte Omar Khorshed bei einem Mobile Business-Expertengespräch auf der Cebit: „Die Player im Telekommunikationsmarkt lernen dazu – es geht nicht mehr um gigantische Projekte. Künftig wird in kleineren Schritten gedacht werden müssen.“ Der Vorstandsvorsitzende des Outsourcing-Dienstleisters acoreus www.acoreus.de verspricht sich Innovationen, wenn viele Versuchsballons starten und sich dann aus einzelnen Ansätzen Erfolge einstellen. Die Möglichkeiten seien enorm, auch wenn man sie in Nischen suchen muss.

„Das Thema Kostenreduzierung selbst treibt die Unternehmen nicht mehr in letzter Konsequenz“, urteilt Ralf Sürtenich. Der Ericsson-Manager www.ericsson.com/de sieht generell die Konvergenz als die treibende Kraft: „Applikationen müssen das Business vorantreiben und das geht in vielen Fällen mit konvergierenden Anwendungen am besten. Auch wenn man ganze Geschäftsabläufe umbauen muss, eröffnen sich hier Wachstumsfelder. Denn mit einem Endgerät und einer Kommunikationsplattform zeichnet sich eine günstig zu betreibende Infrastruktur ab und da werden Unternehmen dann auch investieren.“ Aus Sicht eines unabhängigen Beraters bleibt bei derartigen Applikationen noch einiges zu tun. Bernhard Steimel, vom Beratungshaus Mind Business Consultants www.mind-consult.net, sieht die Vision „Unified Communications“ noch nicht auf breiter Front beim Anwender angekommen. „All das dauert länger als gedacht. Ein mittelständischer Anwender muss geschult werden – vieles erinnert an das Beispiel DSL. Erst wenn der Anwender einen klaren Nutzen erkennen kann, wird investiert.“

Damit Innovationen leichter erfolgen können, braucht es eine möglichst offene Plattform –sind sich die Experten einig. Dann können die Innovationen auf der Plattform aufsetzen und schneller ihre Akzeptanz am Markt beweisen. „Eine wesentliche Rolle fällt den Systemintegratoren zu – sie können die mittelständischen Anwenderunternehmen besser abholen, da sie deren Sprache sprechen“, gibt sich Sürtenich überzeugt. „Vor allen Dingen die Rolle der Mobilfunk-Netzbetreiber muss anders werden, sie müssen ihre Netze und Basisdienste öffnen, so dass sich Innovatoren hier einklinken können“, fordert Khorshed. Und er hat auch gleich ein Negativbeispiel in petto: „Das Mautsystem in Deutschland hat gezeigt, dass der zentralistische Ansatz nicht der beste ist. Hier wurde die Möglichkeit verspielt, dass sich ein Netz von Dienstleistern etabliert, bei denen sich ein jeder auf sein Spezialgebiet konzentriert. Doch letztlich kommt nun alles aus einer Hand – und die Politik jubiliert.“

Ein Modell, wie es Google im Internet vormacht, wünscht sich Andreas Dippelhofer auch bei den Netzprovidern. Der acoreus-Manager sieht zumindest bei E-Plus schon ein Umdenken, das in die richtige Richtung deutet: „Ein Plattform-Betreiber wie Google muss die Möglichkeit bieten, dass sich Lösungsanbieter auf dieser Plattform einklinken können.“ Auch wenn es sich um proprietäre Schnittstellen handle, überwiegt der Vorteil, den der Plattformgedanke auch für den Mobilfunk bietet.

Handys als virtuelle Alltagsbegleiter – Fünfte Webrevolution bringt Systeme, die über Sprache und Gesten gesteuert werden

März 13, 2008

Berlin/Hannover – Wer kennt das nicht: Unterwegs im Auto wäre es eigentlich an der Zeit, einen wichtigen Anruf zu tätigen. Die Nummer ist allerdings gerade nicht verfügbar oder ein Zugriff auf das Adressbuch des Handys nicht gefahrlos möglich – der Anruf wird daher verschoben. Unter dem Strich nicht nur ärgerlich, sondern für Firmen auch teuer. Denn zusammengerechnet entstehen für mobile Mitarbeiter durch vergleichbare Versäumnisse jährlich beträchtliche Zeitverluste. Durch moderne Sprachdialogsysteme soll sich das ändern. „Innovative Sprachanwendungen werden in Zukunft ein ständiger virtueller Begleiter des mobilen Menschen sein“, prognostiziert Lupo Pape, Sprachdialogexperte und Geschäftsführer von SemanticEdge http://www.semanticedge.com.

Sein Berliner Unternehmen arbeitet an Software-Lösungen, um mobile Endgeräte über Sprache steuern zu können. Virtuelle persönliche Assistenten sollen dabei nicht nur per Spracherkennung Telefonverbindungen herstellen und das SMS-Diktat auf dem Handy ermöglichen, sondern in Verbindung mit einem Service wie Wikipedia oder Google auf anspruchsvollere Fragen wie „Wer war Simone de Beauvoir?“ oder „Wo ist das nächste Starbucks-Cafe?“ Antwort geben.

Bereits heute ist ein Teil dieser Vision Realität: Der persönliche Assistent, wie er Daimler entwickelt wurde, ist eine Vermittlungs- und Assistenzanwendung für die Mitarbeiter des Konzerns. „Das System liest während der Fahrt E-Mails vor oder sucht den nächsten Zug für die Weiterfahrt mit der Bahn. Es kennt sowohl das private als auch geschäftliche Adressbuch seines Nutzers und baut nach einer Spracheingabe wie etwa ‚Martin Meyer Handy’ sofort die entsprechende Verbindung auf“, erläutert Pape.

Grundlage dafür sei die Verbundworterkennung. So könne das System nicht nur einzelne Wörter, sondern auch Wortkombinationen identifizieren. „Diese Fähigkeit ist eine weitere Stufe auf dem beschwerlichen Weg zum Ziel: Die Erkennung menschlicher Sprache ohne Einschränkung des Vokabulars“, weiß Pape.

Das System ist an einen Least-Cost-Router angeschlossen, entscheidet sich daher automatisch für die günstigste Telefonverbindung und verwirklicht zudem ein so genanntes One-Number-Konzept für die ständige Erreichbarkeit der Mitarbeiter. „Sie sind überall unter einer Durchwahl erreichbar und bieten Ihren Kunden und Partnern einen perfekten Service“, skizziert Pape die Vorteile der Anwendung, die nach Auffassung von Microsoft-Chef Steve Ballmer zukunftsweisend ist: „Zig verschiedene Telefonnummern oder Adressen werden überflüssig“, betonte Ballmer in seiner Cebit-Eröffnungsrede. Nach seiner Einschätzung stehen wir vor einer fünften Web-Revolution. Sie werde geprägt von enormen Rechenkapazitäten und einem quasi unendlichen Speicherplatz. „Hochgeschwindigkeitsverbindungen sind allgegenwärtig und die Systeme können mit Sprache und Gesten bedient werden“, sagte Ballmer.

Unter dem Motto „Mit Sprache mehr erreichen“ wird auch der Fachkongress Voice Days http://www.voicedays.de vom 15. bis 16. Oktober Entwicklungen in Wiesbaden präsentieren, die alle relevanten Gebiete und Medien der Sprachverarbeitung einschließen: „Es geht um Spracherkennung als Eingabe- oder Ausgabemedium für Handys, um Stimmerkennung, die Suche von Audioinhalten, den Zugang zu Internet-Informationen oder den Einsatz im Mitmach-TV“, sagt Veranstalter Jens Klemann von der Bad Homburger Unternehmensberatung Strateco http://www.strateco.de. Im Trendforum der Voice Days werden die wichtigsten Innovationsgebiete vorgeführt: „Mobile Services powered by Voice oder Diktierfunktionen und Voicemail-Reader, Multichannel-Lösungen und Sprach-Biometrie für sicheres Telefon- und Online-Banking. Auch Analyse-Tools zur Qualitätssicherung, Perspektiven für Voice Web 3.0 und das semantisches Web gehören zu den Zukunftsthemen, die wir thematisieren“, so der Ausblick von Klemann.

„Wo bin ich?“: Navigationsgerät hört aufs Wort – Sprachcomputer im Auto erhöhen Akzeptanz der automatischen Dialogsysteme

März 6, 2008

Bonn/Hannover (05.03.2008) - Der Navigationshersteller Garmin http://www.garmin.de hat auf der CeBIT sein neues Navigationsgerät nüvi 860 vorgestellt. Das portable Navigationsgerät verfügt nach Firmenangaben über die neueste Sprachsteuerungstechnologie, dank derer sich nahezu alle Funktionen des Gerätes per Sprache steuern lassen. „Die Sprachsteuerung macht die Navigation einfacher und sicherer als je zuvor“, erklärt Olaf Meng, Produktmanager Automotive bei Garmin Deutschland. „Ab sofort kann ich als Fahrer beide Hände am Lenkrad lassen. Ich sage dem nüvi 860 einfach, was es tun und wohin es mich leiten soll. Das ist unsere Vorstellung von komfortabler Navigation und bedeutet entspanntes Ankommen für Fahrer und Beifahrer.“

Zur Aktivierung der Sprachsteuerung müsse man eine kleine Fernbedienung am Lenkrad befestigen. Weitere Einstellungen oder Kenntnisse seien nicht nötig. Es könnten nahezu alle Navigationsfunktionen aufgerufen werden, ohne das Gerät auch nur einmal zu berühren. Auch der Zugriff auf die Datenbank mit Sonderzielen, wie Hotels oder Käufhäuser, sei per Sprachkommando schnell und einfach möglich. „Da das nüvi 860 mittels Bluetooth-Technologie mit einer Vielzahl von kompatiblen Telefontypen verbunden werden kann und da auch Telefonnummern per Stimme angewählt werden können und bei ausgewählten Telefonen sogar der Zugriff auf eingegangene, entgangene und selbst gewählte Anrufe möglich ist, ist das Gerät zugleich eine vollwertige und komfortable Freisprecheinrichtung. Es versteht wahlweise amerikanisches oder britisches Englisch, europäisches Französisch, Spanisch, Deutsch, Italienisch und Niederländisch und bietet somit Sicherheit und Orientierung in sechs verschiedenen Sprachen“, erläutert Meng.

Auch die Suchmethode für Sonderziele sei vereinfacht worden. So erscheine nach der Ansage „Suche nächstes italienisches Restaurant“ ein Auswahlmenü mit den nächst gelegenen Lokalen. Per Sprachkommando könne man den Wunschitaliener auswählen und werde zum Ziel navigiert. Für höchstmögliche Sicherheit könne jederzeit die Frage „Wo bin ich?“ gestellt werden. „Das Gerät zeigt daraufhin den nächstgelegenen Straßennamen oder Kreuzung sowie Krankenhäuser, Polizeistationen und Tankstellen in unmittelbarer Umgebung an. Zusätzlich liefert es auch die exakten Koordinaten mit Längen- und Breitengrad“, so Meng. Sprachgesteuerte Navigationsgeräte sind nach Auffassung von Bernhard Steimel, Sprecher der Voice Days http://www.voicedays.de, ein wichtiger Baustein, um die Akzeptanz von automatischen Dialogsystemen voranzutreiben und die hohe Intelligenz der Geräte unter Beweis zu stellen. „Bei telefonischen Diensten muss immer noch Aufklärungsarbeit geleistet werden. Da haben die Verbraucher in der Vergangenheit sehr viele negative Erfahrungen gesammelt. Beim Anwendungsfall im Auto, bei Elektronikgeräten oder bei der barrierefreien Bedienung von Ticketautomaten wird der Kunde sehr schnell überzeugt, wie leistungsfähig die automatische Spracherkennung mittlerweile ist“, erklärt Steimel.

Sprachcomputer erkennen Gemütszustand – Multimodale Interfaces prägen eine neue Gerätegeneration

März 6, 2008

Berlin (05.03.2008) - An Call Centern und dem Einsatz von Sprachcomputern führt für viele Unternehmen kein Weg mehr vorbei. Wettbewerbsdruck, der Zwang zur Service-Automatisierung und der Preisverfall in der Telekommunikation tragen hierzu einen großen Teil bei. Außerdem machen Wissenschaftler einen natürlichen Hang der Menschen zum Self-Service aus: Sprachverarbeitende Technologie, davon ist der Berliner Wissenschaftler Norbert Bolz http://www.medienberatung.tu-berlin.de überzeugt, werde in der Servicegesellschaft eine noch größere Rolle spielen, auch wenn der Voice Self Service dem Kunden eine andere emotionale Einstellung abverlange als im Internet, wo man genau wisse, dass man mit einem Programm in Dialog trete. „Gerade weil die Erwartungen an die menschliche Stimme so groß sind, weil man sie unmittelbar mit Gefühl, mit Menschlichkeit, mit Echtheit assoziiert, ist natürlich die Enttäuschung über ein schlechtes Programm gewaltig und ich glaube, wir alle haben schon diese Erfahrung gemacht mit schlechten Programmen“, so der Medien- und Kommunikationswissenschaftler. Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge http://www.semanticedge.com in Berlin, erklärte im Interview mit dem Deutschlandfunk http://www.dradio.de, was moderne Spracherkennung leistet: „Die Akzente werden sehr gut abgefangen. Er kann ungefähr 50.000 bis 100.000 Worte verstehen, auch robust verstehen. Da werden Akzente abgedeckt. Natürlich, wenn ich anstelle von Kontostand sage: ‚Was ist drauf?’, dann kann es notwendig sein, dass ich das in der Grammatik hinterlegt haben muss, also dem Erkenner gesagt haben muss: ‚Was ist drauf?’ ist ein Synonym für Kontostand.“


Nach Erfahrungen von Dr. Elmar Nöth vom Lehrstuhl für Mustererkennung der Universität Erlangen-Nürnberg
http://www5.informatik.uni-erlangen.de/de habe sich die Sprachdialogtechnik über die pure Spracherkennung hinaus weiter entwickelt und punkte sogar mit Emotionserkennung, die auch viele Unternehmen für den automatisierten Kundenkontakt für sich entdeckt hätten. Dabei gebe es mehrere Stufen: „Von Benutzereingaben per Tastatur über die Erkennung von Ziffern und Einzelwörtern zu der dritten Stufe, dem natürlichsprachlichen Dialog ohne feste Menüstruktur, wobei das Dialogsystem ganze Sätze versteht bis dahin, dass das Dialogsystem den emotionalen Benutzerzustand erkennt und darauf reagieren kann, um den Dialog natürlicher zu gestalten“, so Nöth. Emotionserkennung mache den Dialog mit der Maschine menschlicher, so sein Resümee. Weit fortgeschritten ist beispielsweise der multilinguale Kundenservice von T-Mobile. Er erkennt das Alter, das Geschlecht, die Sprache und die aktuelle Stimmung. Ziel dieses Projektes ist es, den Kunden mittels adaptiver Sprachdialoge individuell anzusprechen und ihn mit kundenspezifischen Angeboten zu begeistern. T-Mobile wurde für diese Lösung mit dem Voice Award der Brancheninitiative Voice Business http://www.voicedays.de ausgezeichnet.

Natürlich-sprachliche Interfaces würden immer intelligenter, nutzerfreundlicher und bald um eine grafisches Ebene ergänzt, meint Lupo Pape. Er sieht die Sprachtechnologie nicht nur in Sachen telefonischer Kundenkontakt weiter im Aufwind. Das Stichwort heißt Multimodalität bei der Steuerung von Geräten: „Das heißt, das Voice Interface wird ergänzt durch ein grafisches Interface. Das Internet und die Sprachschnittstelle wachsen zusammen zu einem multimodalen Dialog. Und das dann auf mobilen Endgeräten, der nächsten Generation der Superhandys. Da werden wir ganz andere Arten der Mensch-Maschine-Interaktion haben. Das heißt also, man nutzt die Stärken des grafischen Interfaces mit den Stärken der Sprache. Wenn ich im Auto unterwegs bin, spreche ich. Wenn ich in der U-Bahn meine Ruhe haben will, dann nutze ich das grafische Interface. Am besten, man nutzt beide Modalitäten gleichzeitig“, so Pape im Deutschlandfunk.

Umfrage: Call Center auf den Kunden 2.0 nicht vorbereitet – Open Source-Prinzip statt abgeschottete Bunker

März 6, 2008

Berlin/Bonn – Das so genannte Multichannel-Management ist nach einer Studie www.cc-trends.de der Unternehmensberatung Strateco www.strateco.de im Auftrag von Aspect Software www.aspect.com in vielen Call Center-Unternehmen in Deutschland noch nicht Realität. Zwar verfügen 48 Prozent der 148 befragten Firmen über die notwendigen technischen Grundlagen. Richtig genutzt werden die Unified Communications Server aber nur von wenigen. Der Umfrage zufolge, die auf der Call Center World www.callcenterworld.de in Berlin präsentiert wurde, nutzen 26 Prozent der Call Center nur einen Kanal, 20 Prozent zwei und 31 Prozent maximal drei Kanäle. Dabei handelt es sich um Telefon, E-Mail und Fax. Rund ein Fünftel hat auch die Bearbeitung der Briefpost integriert. Die Einbindung von Internet-Chat, SMS und MMS ist bislang die große Ausnahme. Die Studienergebnisse korrespondieren mit einer Leserbefragung des Fachblattes „Computerwoche“.

Die Integration der kompletten Kontaktkanäle zum Kunden zähle nicht zum Standard. Besonders eklatant sei die Situation bei TK-Anbietern. „Sie pflegen für Festnetz-, Mobilfunk- und DSL-Kunden unterschiedliche Datenstämme. Die Agenten müssen am Bildschirm zwischen den Datenbanken hin- und herschalten. Auch vielen Versandhändlern und Energieversorgern ist die Datenintegration ein Fremdwort“, so die Computerwoche.

Der Zustand sei oft den Machtkämpfen in den Unternehmen geschuldet. Marketing, Fachabteilungen und Kundenbetreuung pflegen ihre eigenen Fürstentümer und geizen mit gegenseitiger Unterstützung. Den schwächsten Stand habe in dem ganzen Spiel der Kundenservice, weil er keinen Umsatz erziele, sondern nur als Kostenfaktor die Bilanz belastet. „Das Problem liegt vor allen Dingen bei externen Dienstleistern, die sich mit Preisdrückereien am Markt durchsetzen, häufig ein Inseldasein führen und technologisch nicht auf dem neuesten Stand sind. Wer so den Kundenservice aufzieht, antiquierte Systeme betreibt, keine Vorqualifizierung der Anrufe leistet und kein personalisiertes Kundenmanagement organisieren kann, hat auf dem Markt nichts mehr zu suchen“, kommentiert Udo Nadolski, Geschäftsführer des IT-Beratungshauses Harvey Nash www.harveynash.com/de, die Marktlage.

Der Kunde 2.0 ist nach Analysen von Aspect selbstbewusst, gut informiert und stellt hohe Anforderungen an den Service: „Er möchte weder lange in kostenpflichtigen Warteschleifen verweilen, noch mehrfach zu verschiedenen Ansprechpartnern verbunden werden, wo er trotz mehrfacher Schilderung seines Anliegens keine Problemlösung erfährt. Ebenso wenig möchte er Opfer der unzähligen und meist unqualifizierten Kaltanruf-Attacken werden“. Der Kunde wolle zudem frei entscheiden, über welchen Kanal er mit einem Unternehmen Kontakt aufnimmt. Wichtig sei ausschließlich, dass sein Anliegen schnell und gut bedient werde.

„Ein gut ausbalanciertes Angebot an telefonischen und web-basierten Selbstbedienungs-Services gibt dem Kunden die Wahlfreiheit, die er gerne möchte“, so die Aspect-Studie. „Gerade die heranwachsende Internet-Generation wird sich technische Restriktionen nicht mehr bieten lassen“, bestätigt Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge www.semanticedge.de in Berlin. Das Open Source-Prinzip der IT-Welt werde auch auf Marketing und Kundenservice durchschlagen. Neugründungen wie Get Satisfaction getsatisfaction.com würden das unter Beweis stellen, berichtet das Wirtschaftsmagazin brand eins www.brandeins.de. Auf dem freien Forum könne jeder nachlesen, was Kunden über eine vermasselte Bestellung zu sagen haben – das Wissen werde nicht mehr beim Call Center gebunkert. Ein Unternehmen müsse bereit sein, die Kontrolle aufzugeben und den Dingen freien Lauf zu lassen.

„Ein begeisterter Kunde ist der beste und glaubwürdigste Promotor. Da helfen auch keine Werbesprüche ‚Bei uns steht der Kunde im Mittelpunkt’ weiter. In den Social Networks verfängt die Einweg-Propaganda der Unternehmen nicht mehr. Da zählen nur noch Taten, nachprüfbare Qualität und Glaubwürdigkeit“, resümiert Voice Days-Sprecher www.voicedays.de Bernhard Steimel gegenüber dem Onlinemagazin NeueNachricht www.ne-na.de. Eine Meldung vom Medienbüro Sohn. Für den Inhalt ist das Medienbüro Sohn verantwortlich.

„Geiz-ist-Geil“-Mentalität macht Mobilfunkern zu schaffen – Trend geht zu hybriden Geschäftsmodellen

März 6, 2008

Düsseldorf/Lindau – Mobile Internetdienste werden nach Ansicht von Branchenexperten darüber entscheiden, wer den Wettlauf in der digitalen Kommunikationswelt gewinnen wird. Hier stehen nicht nur Konzerne wie Microsoft unter Druck, sondern auch die Handyhersteller. „Wer sich heute noch auf den Verkauf von Mobiltelefonen fokussiert, wird ein ähnliches Schicksal erleiden wie die Konzerne Grundig oder Telefunken, die im Fernsehgeschäft den Kampf gegen die japanische Billigkonkurrenz verloren haben und von der Bildfläche verschwunden sind“, warnt Mobilfunkexperte Michael Sander, Geschäftsführer der Lindauer Unternehmensberatung Terra Consulting Partners (TCP) http://www.terraconsult.de.

Das Geschäft mit mobilen Diensten biete neue Ertragspotenziale und werde auch das Kräfteverhältnis zwischen Herstellern und Netzbetreibern verändern. „Nokia hat das erkannt und entwickelt auf der Plattform Ovi mobile Internetdienste für Musik, Fernsehen, Spiele und Navigation“, sagt Sander. Die Bündelung verschiedener mobil verfügbarer Inhalte und Dienste auf einer Plattform ist auch nach Einschätzung von Renatus Zilles, Vorsitzender der Geschäftsführung des Bonner Mehrwertdienste-Anbieters NEXT ID http://www.next-id.de, viel versprechend: „Der Trend geht klar hin zu hybriden Geschäftsmodellen, die ganz unterschiedliche Geschäftsmodelle über alle Medien hinweg integrieren und so die entscheidenden Verbundeffekte und Preisbündelungen, aber auch eine übergreifende Kundenbindung ermöglichen. Strategisches Ziel ist die Diversifikation der Erlösquellen, um sich langfristig im Markt behaupten zu können“, so Zilles.

Ovi ist nach Meinung von Bernhard Steimel, Autor des Praxisleitfadens Mobile Marketing http://www.absatzwirtschaft.de/mobile-marketing , auch eine strategische Antwort auf das iPhone von Apple. „Ich bin allerdings skeptisch, ob eine vergleichbare Erfolgsstory wie bei iTunes noch ein zweites Mal geschrieben werden kann. Mittelfristig werden sich weder Hersteller noch Netzbetreiber erfolgreich als Türsteher zum mobilen Internet behaupten können. Vielmehr wird sich eine ähnliche Entwicklung wie im stationären Internet vollziehen – von einer BTX-Welt über Dienste wie AOL zum World Wide Web“, sagt Steimel, Geschäftsführer von Mind Business Consultants http://www.mind-consult.net und Sprecher der Voice Days http://www.voicedays.de . Mit steigenden Werbeausgaben für das mobile Internet komme es zu einer Veränderung der Geschäftsmodelle. „Ich rechne im Mobilfunk mit einer Entwicklung wie beim klassischen Internet. Werbefinanzierte Inhalte führen zu einer stärkeren Nutzung des mobilen Internets – auch hier wird sich die &Kostenlos-Mentalität& durchsetzen“, prognostiziert Steimel.

Das iPhone belege eindeutig, dass ein neues „vertikales“ Geschäftsmodell nur funktioniert, wenn ein attraktives Online-Portal kombiniert werde mit einem attraktiven Multimedia-Endgerät und einer nahtlosen Integration. „Die wahren Konkurrenten der Handyhersteller sind deshalb die Suchmaschinen-Giganten Google und Yahoo“, erläutert der Internetkenner Steimel.