Archiv für Februar 2008

Mobile World Barcelona: Intelligente Assistenzsysteme eröffnen mobilen Endgeräten neue Geschäftsmodelle

Februar 14, 2008

Java-Erfinder James Gosling hat eine klare Vision: „Smartphones können heute bereits alles, was ein Desktop PC kann; das Handy der Zukunft ist ein Computer.“ Der wichtigste Impuls, der von der Iphone-Einführung auch im deutschen Markt ausgehen wird, ist nach einer Marktstudie der Beratungshäuser Mind Business Consultants und Strateco sowie der Fachzeitschrift Absatzwirtschaft ein Paradigmenwechsel von einer Welt, in der Nutzer viel Zeit investieren, um Bedienungsfunktionen des Handys zu finden und zu lernen, hin zu einer Welt, in der das Endgerät „versteht“, was der Nutzer tun will, und damit eine intuitive Handhabung ermöglicht.„Mobile Anwendungen wie der persönliche Assistent führen die Menschen an die Mensch-Maschine-Kommunikation heran. Dieser sprachgesteuerte Begleiter kennt das Telefonbuch, Reisedaten oder Kalenderfunktionen“, kommentiert Sprachdialogexperte Lupo Pape, Geschäftsführer von Semanticedge, die Trendergebnisse.

Die Studienautoren erwarten darüber hinaus, dass das Handy zur Fernbedienung anderer Konsumgüterelektronikprodukte oder gar zur Maus für die Bedienung von Online-Inhalten wird. „Dass Handys der Interaktionskanal mit der größten Reichweite und Konsumentenzahl sind, wird diese Entwicklung befördern. Ein konkretes Zukunftsszenario setzt das Handy mit einem virtuellen Rabattmarkenheft gleich, da hohe Umsatzpotenziale bestehen, die durch Einspareffekte begünstigt werden und somit in die Aufwertung der Coupons fließen können“, so Studienautor Bernhard Steimel, Geschäftsführer von Mind Business Consultants in Düsseldorf.

Die Beseitigung des Hemmschuhs Nummer eins – hohe Datentarife – werde zu einer stärkeren sowie sorgloseren Nutzung des Mobile Internet führen. „Auch im mobilen Internet gilt: Kunden suchen immer nach Marken, die sie aus einer anderen Welt bereits kennen. Deshalb sind Kooperationen mit Google, Youtube und Ebay als ein richtiger Weg anzusehen, um den Nutzern zu signalisieren, dass auch deren beliebte Services mobil verfügbar sind. Lokale Suchanfragen werden eine wesentlich größere Rolle spielen als im stationären Internet“, so Steimel zum Start des Fachkongresses Mobile World in Barcelona. Jedoch würden sich die Mediengewohnheiten nur allmählich ändern, deshalb werde das mobile Internet sehr wahrscheinlich zunächst primär von der digital affinen Zielgruppe genutzt werden.

„M-Commerce Angebote werden sich in den nächsten zwei Jahren auch wegen der noch eingeschränkten Nutzerakzeptanz nur in sehr isolierten Szenarien durchsetzen“, betont Co-Autor Jens Klemann, Geschäftsführer von Strateco in Bad Homburg. Das spreche nicht generell gegen mobile Kundenbindungsmaßnahmen, denn hier werden positive Perspektiven für die Nutzerakzeptanz beschrieben. Convenience kommt generell eine immer zentralere Rolle zu, denn der Kunde wird nur solche Services nutzen, die einfach und benutzerfreundlich gestaltet und in genau der konkreten Lebenssituation verfügbar sind.

Mobile Video wird der Studie zufolge gute Chancen als attraktives Werbeformat der Zukunft zugesprochen. „Der Erfolg wird jedoch von den Pricingmodellen der Medienhäuser abhängen – nur werbefinanziertem Mobile Video werden gute Wachstumspotenziale prognostiziert. Beim Mobile TV werden nicht die gleichen Formate wie im TV nachgefragt, weil andere Nutzungsszenarien bestehen. Einige Experten erwarten, dass die Fußball-EM 2008 den nächsten großen Schub für das Mobile TV bringen wird“, prognostiziert Klemann.

Mobile Marketing sei nach seiner Ansicht noch ein so genannter Early Adopter-Markt: „Zwar haben schon viele Markenartikler erste Erfahrungen mit dem Medium gesammelt, der Anteil am Gesamtwerbeaufkommen in 2006 wird jedoch insgesamt auf nur zwei Promille geschätzt. Wir erwarten, dass sich bis Ende 2008 der Anteil auf 2,5 Prozent erhöhen könnte und Ende 2010 bei mehr als 5 Prozent liegen wird. Bis 2012 sollen nach Schätzungen unserer befragten Branchenkenner mehr als 10 Prozent auf Mobile Marketing entfallen, wodurch dieses Werbemedium ein ähnliches Niveau erreicht wie heute Online“, sagt Klemann.

Der iPhone-Schock – Gerätehersteller auf der Suche nach dem „Super-Handy“

Februar 14, 2008

Barcelona/Düsseldorf/Berlin – Das iPhone hat nach einem Bericht der FAZ die etablierten Handyhersteller herausgefordert und ihnen wohl einen gehörigen Schrecken eingejagt. „Während der Mobilfunkmesse Mobile World Congress im spanischen Barcelona übertrumpfen sich die Hersteller mit der Präsentation von Handys, die noch mehr Dienste und Anwendungen beherrschen als die schon sehr komplexen Mobiltelefone. Die Branche ist auf der ‚Suche nach dem Superhandy’, heißt es in Barcelona. Andere Analysten formulieren es schärfer und sprechen von der ‚Suche nach dem iPhone-Killer’“, schreibt die FAZ.

Nach Meinung des Branchenexperten Bernhard Steimel, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Mind Business Consultants http://www.mind-consult.net und Sprecher der Voice Days http://www.voicedays.de, sollten die Hersteller die richtigen Schlüsse ziehen aus der Apple-Strategie. „Komplexe Technik und Dienste müssen mit einem nutzerfreundlichen Interface ausgestattet sein. Der wichtigste Impuls, der von der iPhone-Philosophie ausgeht, ist ein Paradigmenwechsel zu Endgeräten, die verstehen, was der Nutzer will“, sagt Steimel, der zum Mobile World Kongress in Kooperation mit der Unternehmensberatung Strateco http://www.strateco.de und der Fachzeitschrift absatzwirtschaft http://www.absatzwirtschaft.de eine Studie über Markttrends im Mobilfunkgeschäft veröffentlicht hat.

Die Sprachautomatisierung ist nach Auffassung von Lupo Pape, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens SemanticEdge http://www.semanticedge.de, ein wichtiger Baustein für das Super-Handy der Zukunft: „Wie häufig hätten wir gerne im Alltag genaue Informationen zu Sportergebnissen, Telefonnummern oder Adressen. Unendlich viele Dinge, die wir, wenn wir gerade im Internet wären, sofort über Google abrufen würden. Da das aber in der Freizeit und von unterwegs selten der Fall ist und der Zugriff über das Handy mit Tastatur oder Touchscreen zu mühselig ist, verzichten wir meistens darauf, unseren Wissenshunger sofort zu stillen. Anders wäre es, wenn wir mit einfachen gesprochenen Suchbefehlen unsere Anfrage starten und die Suche dann bei Bedarf eingrenzen könnten, genauso, wie wir es derzeitig mit der PC-Tastatur und der Maus tun und das ganze jederzeit und von jedem Ort aus“, erklärt Sprachdialogexperte Pape gegenüber dem Onlinemagazin NeueNachricht.

Die fehlenden Bausteine dafür seien jetzt schon verfügbar, so dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis sich die Menschen weltweit an dieses neue Interface gewöhnt haben. „Die Spracherkennung im personalisierten Diktiermodus ist schon sehr ausgereift, die mobilen Datenzugriffe werden immer schneller und auch Flatrates im Mobilfunk werden vermutlich bald genauso verbreitet sein wie im DSL-Geschäft“, prognostiziert Pape.

Viele Informationen würden bereits strukturiert vorliegen, wie Fahrplaninformationen, Telefonnummern, Sportergebnisse, bewertete Restaurants und sonstige Adressen. „Was fehlt, ist eine Art Yahoo des ‘Voicewebs’, über das sich jeder personalisiert seine gewünschten Angebote zusammenstellen und über Sprache oder Multimodale Interfaces abfragen kann“, so Pape.

Handyhersteller in der Defensive

Februar 7, 2008

Kostenlos-Mentalität wird sich auch im Mobilfunk durchsetzen

Mobile Internetdienste werden nach Ansicht von Branchenexperten darüber entscheiden, wer den Wettlauf in der digitalen Kommunikationswelt gewinnen wird. Hier stehen nicht nur Konzerne wie Microsoft unter Druck, sondern auch die Handyhersteller. Das Geschäft mit mobilen Diensten bietet neue Ertragspotenziale und werde auch das Kräfteverhältnis zwischen Herstellern und Netzbetreibern verändern, ist sich Michael Sander, Geschäftsführer der Lindauer Unternehmensberatung Terra Consulting Partners (TCP), im Gespräch mit dem Onlinemagazin Neue Nachricht sicher: „Nokia hat das erkannt und entwickelt auf der Plattform Ovi (http://ovi.nokia.com) mobile Internetdienste für Musik, Fernsehen, Spiele und Navigation“, so Sander.

Ovi ist nach Meinung von Bernhard Steimel, Autor des Praxisleitfadens Mobile Marketing (www.absatzwirtschaft.de/mobile-marketing), auch eine strategische Antwort auf das iPhone von Apple: „Ich bin allerdings skeptisch, ob eine vergleichbare Erfolgsstory wie bei iTunes noch ein zweites Mal geschrieben werden kann. „Mittelfristig werde sich weder Hersteller noch Netzbetreiber erfolgreich als Türsteher zum mobilen Internet behaupten können. Vielmehr werde sich eine ähnliche Entwicklung wie im stationären Internet vollziehen: von einer BTX-Welt über Dienste wie AOL zum World Wide Web, so Steimel, Geschäftsführer von Mind Business Consultants und Sprecher der Voice Days.

Mit steigenden Werbeausgaben für das mobile Internet komme es zu einer Veränderung der Geschäftsmodelle. „Ich rechne im Mobilfunk mit einer Entwicklung wie beim klassischen Internet. Werbefinanzierte Inhalte führen zu einer stärkeren Nutzung des mobilen Internets – auch hier wird sich die ‚Kostenlos-Mentalität’ durchsetzen“, prognostiziert Steimel. Das iPhone belege eindeutig, dass ein neues „vertikales“ Geschäftsmodell nur funktioniert, wenn ein attraktives Online-Portal kombiniert werde mit einem attraktiven Multimedia-Endgerät und einer nahtlosen Integration. „Die wahren Konkurrenten der Handyhersteller sind deshalb die Suchmaschinen-Giganten Google und Yahoo“, erläutert der Internetkenner Steimel.